Halberstadt

Hạlberstadt,
 
1) Kreisstadt in Sachsen-Anhalt, 115 m über dem Meeresspiegel, an der Holtemme im nördlichen Harzvorland, 44 500 Einwohner; Museum für Vogelkunde, Städtisches Museum, Gleimhaus (Wohnhaus von J. W. L. Gleim, heute Museum); Waggon-, Landmaschinenbau, Elektronik-, Möbel-, Gummi- und Kunststoff verarbeitende Industrie, Fleischwarenherstellung (»Halberstädter Würstchen«). - Nordwestlich von Halberstadt liegt das Schachdorf Ströbeck.
 
 
Die Altstadt wurde 1945 weitgehend zerstört, fast nur im Westen und Norden des Dombezirks ist ein Teil der ursprünglich zahlreichen Fachwerkhäuser erhalten. Der Wiederaufbau bei gleichzeitiger Rekonstruktion eines Teils der historischen Substanz setzte nach 1945 ein. Seit 1990 ist Halberstadt Modell für Stadtsanierung. Die Kirchen wurden zum Teil wiederhergestellt. Im Zentrum der Stadt der Stephansdom (13.-15. Jahrhundert, über Vorgängerbauten), eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und Chor mit Umgang; bedeutende Bauplastik, Skulpturen und Ausstattung (u. a. Apostelstatuen, 15. Jahrhundert; monumentale spätromanische Triumphkreuzgruppe, zwischen 1220 und 1230; Lettner, 1510; Bronzelesepult, um 1500); südlich an den Dom anschließend Klostergebäude (älteste Teile Mitte 12. Jahrhundert); in der Domsammlung der bedeutendste deutsche Kirchenschatz nach dem Kölner Domschatz. Wiederhergestellt wurden auch die Dompropstei (1591-1611) und die auf der Westseite des Domplatzes liegende romanische Liebfrauenkirche (Mitte 12. Jahrhundert begonnen), eine dreischiffige Basilika, deren Chorschranken ein Hauptwerk der spätromanischen Plastik (um 1200) sind; Triumphkruzifix aus dem 1. Viertel des 13. Jahrhunderts. Im Kern romanisch ist die Moritzkirche (11. Jahrhundert, um 1240 umgebaut). Gotische Kirchen sind Sankt Martini (14. Jahrhundert, auf Vorgängerbau), an deren Westfront sich eine frei stehende Rolandsfigur von 1433 befindet (ursprünglich vor dem Rathaus), Sankt Katharinen (ehemalige Dominikanerklosterkirche, 14. Jahrhundert) und Sankt Andreas (ehemalige Franziskanerklosterkirche, Anfang 14. Jahrhundert, nur der Chor nach 1945 wieder aufgebaut). Sankt Buchardi (1. Hälfte 13. Jahrhundert, mit rechteckigem Umgangschor) ist die Kirche des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters. Als schmuckloser Fachwerkbau entstand 1646-48 die Johanneskirche (restauriert Mitte 19. Jahrhundert).
 
 
Am Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen entstand aus mehreren Siedlungskernen die Stadt Halberstadt (827 erstmals erwähnt; seit 804 Bischofssitz); 989 erhielt der Bischof als Stadtherr für die um Markt und Martinskirche entstandene Kaufmannssiedlung das Markt-, Münz- und Zollrecht (stadtgleiche Stellung; Anfänge der städtischen Verfassung um 1100, Ratsverfassung. Ende des 13. Jahrhunderts ausgeprägt; Goslarsches Stadtrecht 1184). Die Ende des 14. Jahrhunderts erlangte Freiheit von der bischöflichen Stadtherrschaft ging 1486 wieder verloren. Seit 1648 gehörte Halberstadt und das säkularisierte Bistum (als weltliches Fürstentum) zu Brandenburg-Preußen. Lange Zeit bildete der Fernhandel (Mitglied der Hanse) eine der Haupterwerbsquellen der Stadt; im 18. Jahrhundert erlangten Tuch- und Zeugmacherei, Strumpfwirkerei und Hutmacherei, ab 1883 u. a. die Fleischwarenfabrikation Bedeutung. Am 8. 4. 1945 wurde Halberstadt schwer zerstört.
 
 
Dom u. Domschatz zu H., bearb. v. J. Flemming u. a. (Wien 1974);
 K. Militzer u. P. Przybilla: Stadtentstehung, Bürgertum u. Rat. H. u. Quedlinburg bis zur Mitte des 14. Jh. (1980);
 
H., hg. v. W. Hartmann (1991);
 
H. Dom, Liebfrauenkirche u. Domplatz, bearb. v. P. Findeisen u. a. (1995);
 
Die Kirchen in H., bearb. v. H. Neumann u. a. (1995).
 
 2) Landkreis im Regierungsbezirk Magdeburg, Sachsen-Anhalt, 665 km2, 80 200 Einwohner; grenzt im Norden und Westen an Niedersachsen. Der Kreis liegt im nördlichen Harzvorland. Die Oberfläche wird von einem lössbedeckten Hügelland geprägt, das ackerbaulich genutzt wird (Anbau von Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Getreide, Ölkulturen, Futterpflanzen). Stellenweise erheben sich von Buchenmischwald bestandene Muschelkalkrücken (Huy, 314 m über dem Meeresspiegel; Großer Fallstein, 288 m über dem Meeresspiegel). Im Großen Bruch, einer 78 km2 großen Senke mit Niedermooren, an der Nordgrenze gelegen, ist Grünlandwirtschaft anzutreffen. Neben Kies und Sand wird auch Salz gewonnen; die Erdöl- und Erdgasgewinnung wurde eingestellt. Die Industrie ist hauptsächlich in Halberstadt, zum kleineren Teil in Osterwieck angesiedelt. Neben der Kreisstadt sind Osterwieck, Wegeleben, Schwanebeck und Dardesheim weitere Städte. Der Kreis wird von der Straße der Romanik (romanische Bauten in Halberstadt und Osterwieck sowie die Huysburg bei Dingelstedt und Westerburg bei Dedeleben) durchzogen. - Der Landkreis wurde durch die Kreisgebietsreform vom 1. 7. 1994 nicht verändert.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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